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Besuch im kulturellen Mittelpunkt Eutin

Eutin ist eine Kulturstadt, der sich eine interessierte Gruppe der Europa-Union Rendsburg-Eckernförde bei einer Exkursion am Donnerstag, dem 23. Oktober 2025 gewidmet hat. Im Mittelpunkt standen der Besuch des Eutiner Schlosses und eine Ausstellung des Malers Max Pechstein im Ostholstein-Museum.

Das Schloss Eutin zeigte sich nach einer durchgehenden Restaurierung im neuen Gewand. Eine kundige Führung erläuterte die Geschichte der mittlerweile 870 Jahre seit Bestehen. Es war die Residenz eines bemerkenswerten deutschen Reichsterritoriums, des Fürstbistums Lübeck. Der Lübecker Bischof konnte nicht in der Hansestadt selbst einen Sitz nehmen, so entstand in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Territorium mit einem geistlichen Flickenteppich in Ostholstein und einem in Personalunion verbundenen weltlichen Herzogtum Oldenburg. Beide Gebietsteile wurden erst 1803 ein weltliches Fürstentum.

Aus Eutin heraus und dynastisch um Eutin herum entstanden Verbindungen durch ganz Europa. Markant waren die Heiratsnetzwerke bis in die nordischen Staaten hinein und nach Russland. Schon als Kinder begegneten sich Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf und Prinzessin Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst, später Zar Peter III. und Kaiserin Katharina II., im Schlossgarten Eutin. Die Schlossführerin, gebürtig aus Estland, zeigte die Ehefrau von Zar Peter III. als dynamische und zielstrebige Ehefrau. Nach dem Tod ihres Gatten stieg sie zur Zarin auf und wirkte mit ihrer Politik auch in die Schleswig- Holsteinische Territorien hinein.

Die Gruppe wurde durch prachtvolle Zimmer geführt, mit denen sich das kleine Herzogtum auch Gästen bedeutenderer Länder darstellen wollte. Ein für einen Besuch des preußischen Königs Friedrich II. eingerichtetes Zimmer blieb unbenutzt, denn der preußische König kam nicht. Die europaweiten Verflechtungen wurden sinnbildlich eingefangen durch ein Foto der Besuchergruppe im Europa-Zimmer. Namensgebend ist das Deckengemälde, welches das Motiv der Entführung der Europa aus Zypern dargestellt.

Nach einem Mittagessen im ebenfalls restaurierten Schlossrestaurant in angenehmer Atmosphäre ging die Gruppe der Europa-Union ins Ostholstein-Museum hinüber zur Gemäldeausstellung „Max Pechstein an der Ostsee“. Der Nahe Zwickau geborene Künstler hatte zunächst die Kunstgewerbeschule besucht, dann wechselte er zur Dresdner Kunstakademie. Auf Anregung von Erich Heckel trat er in die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ ein. Bis zu seinem Austritt wirkte er bis 1912 mit gleichgesinnten Künstlern. Aufgrund von Animositäten löste sich „Die Brücke“ bald danach auf.

Pechstein war seit seinem ersten Besuch in Nidden an der Ostsee vom Meer fasziniert. Er widmete sich den Fischern und ihrer harten Arbeit. Immer wieder suchte er ihre Nähe. Im Gasthof Bode diskutierte man aktuelle künstlerische Themen. Eine Rolle spielten dabei auch Künstler der Akademie in Königsberg, die in jener Zeit bedeutsam war. Als Nidden wegen der neuen politischen Ordnung nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr so leicht zugängig war, wandte sich Pechstein dem pommerschen Leba zu. Die geschlossene Nehrungsbildung und entstandene See- und Flusslandschaft erinnerte ihn an Nidden. Bilder aus Fehmarn und Kiel belegen, dass er immer wieder an der Ostsee unterwegs war. Pechsteins Werk galt in der NS-Zeit als entartet, und er konnte nicht mehr ausstellen. Bilder aus dieser Zeit zeichnen sich durch eine veränderte Malweise und Farbpalette aus. Die expressive Farbigkeit ist verschwunden, taucht aber in späteren Werken wieder auf. Pechstein starb 1955 in Berlin.

Große Freude lösten beide Führungen aus, weil die Begeisterung der Vortragenden die Zuhörer mitriss. Eutin hat noch so viel mehr zu bieten und ist einen weiteren Besuch wert.

Ausflug, Eutin, Schloss

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